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Mittwoch, 28. Februar 2018

Allerlei Meer-rau


In Blütejungenjahren als meine Romantik gefüttert wurde von den Bildern einer unschuldigen, unerfahrenen Phantasie, bildete ich mir ein, am Meer wohnen zu wollen. Eigentlich genau in diesem Haus

Und wieder einmal denke ich: Hat sich je eine Vorstellug mit der Wirklichkeit gedeckt?

Denn ich hatte Erwartungen, ja eigentlich konkrete Pläne für die Zeit am Sandstrand. Und dann passierte erstens alles anders und zweitens als gedacht. Nun lebe ich fast 1 1/2 Monate an einer Küste, an die der Wind aus großer Entfernung über das endlos weite Meer geflogen kommt und mit Schwung am Festland auftrifft. Es ist ein tosendes, aufgebrachtes Meer, das der Wind kräuselt und zum Schäumen bringt. Wellen und Wogen und dazu ein brausender Wind. Ein doppeltes, ein ununterbrochenes Rauschen. Der Meereswind pfeift mir um die Nase, nimmt alles mit wie lose Blätter. Er fegt hinweg, was nicht schwer genug, was nicht angebunden oder verankert ist. Kein tiefes Nachdenken ist mir möglich, kein Gedanke läßt sich richtig fassen. Es stürmt und braust um mich. Haltlos. Und mein Kopf fühlt sich an wie ein kapputes Radio, bei dem nicht ein einziger Sender klar einzustellen ist. Alles rauscht. Wind und Meergetöse. Dazwischen schiebt sich - wie als Funkstörung - immer wieder ein hirnloser Popsong als Ohrwurm. Ich bin der schmalste Dünnbrettbohrer, die föhnendste aller Flachpfeifen.



Manchmal streift der Wind über die Nerven wie ein Saiteninstrument, schon zauselt er das Fell gegen und mit dem Strich - das ist dem Wind egal. Alles, was nach außen zeigt, kämmt der Wind. Kein Entkommen. Pausenloses Abklopfen der Oberfläche, alles rau, alles wie sandgestrahlt.

In dem Salzwind verblassen die Farben, meine Farben. Alles fließt wie in einem Aquarellbild ineinander. Die Stunden, die Tage, die Wochen, vielleicht auch Monate und Jahre. Die Gezeiten schlagen mit den Wellen den Rhythmus an die Küste, doch ohne mir in Fleisch und Blut zu übergehen. Zwischendurch kitzelt der Mond das Meer heraus, versetzt es in größere Erregung und die Flut frißt an den Sandbänken, die Wellen türmen sich höher, der Wind reißt an allem und über alles hinweg. Um sich davon weniger beeindrucken zu lassen, braucht es wohl die verschlossenen, wettergegerbten Gesichter wortkarger, alter Fischer mit einer Haut wie eine zerfurchte Baumborke. Tand Tand, das Gebilde von Menschenhand gegenüber dieser Naturgewalt. Kokolores. Menschlicher Mumpitz. Alles schrumpft auf Erbsengröße angesichts dieser Größe, ich auch, angesichts dieser Bühne.




Mir dämmert, wieso viele Sanatorien in Küstenorte verlagert sind. Abends falle ich in einen tiefen, bleiernen Schlaf, traumlos und lang schlafe ich, und wenn ich mich morgens an kleine Traumfetzen erinnere, dann sind sie belanglos und völlig unbedeutend. Jeden Tag Meer und Wind, jeden Tag ungestümes Brausen. Und gibt der Wind kurz Ruhe, fällt das Meer zusammen wie ein Soufflé. Ein stiller, glatter Ozean, der darauf wartet, dass das Gebläse wieder anspringt.



Seit Jahrzehnten (zum ersten Mal überhaupt?) empfinde ich Langeweile in mir. ich, die immer sagte, nur Langeweiler kennen Langeweile. Ich fühle mich wie ein komplett leer geräumtes Zimmer. Keine Inventur, nein, Großreinemachen. Alles wie leer gefegt. Tabula rasa. Wie sagt Goethe, der ja zu allem etwas vernünftiges beizutragen hat: *Langeweile ist ein böses Kraut, doch auch eine Würze, die viel verdaut.* Und ich wundere mich, dass mir das Leben diese Medizin zukommen läßt. Warum? Noch kann ich nicht erkennen, wofür das gut sein soll, aber ich bin inzwischen alt genug, um zu wissen, dass manche Erkenntnis, manche Erfahrung, manche Gabe des Lebens, manche Botschaft in einem reifen muss, um sie verstehen zu können. Die Dinge so nehmen, wie sie kommen - ich übe noch...




Freitag, 23. Februar 2018

Cheese-Day: Tarte rustique aux deux choux


Direkt beim allerersten Lesen habe ich für mich *Cheat-Day* zu *Cheese-Day* umgebastelt. Wir leben entschieden zu hinterwäldlerisch und zu zurückgezogen, als dass wir die Zone des Diät-Wahns, Kalorienzählens oder Musekaufbaus noch berühren. Was ich versuche, ist uns gesund und frisch zu ernähren. Ein Fresstag in der Woche, an dem alles erlaubt ist, was sonst verboten ist, dürfen andere praktizieren. *Wenns schee macht* (wenns schön macht), hätte meine Oma dazu gesagt, bitteschön, soll, wer meint. Bei einem *Cheese-Day* hingegen reicht ein angedeuteter Wimpernschlag und ich bin dabei! Was Käsefäden zieht, das zieht auch mein Begehren an!

In Frankreich liegt die Liebe zu Käse quasi in der Luft: ein Mal tief eingeatmet und schon ist man infiltriert. Hier Käse zu verschmähen, käme einem Koreaner gleich, der Kimchi scheut, einem Inder, der kein Curry mag, einem Engländer, der nie Schwarztee trinkt, einem Italiener, dem Pasta zu wider ist und.... nun, es ist mir - geographisch gedacht - völlig unvorstellbar, dass Frankreich nicht käseherzschmelzend auf jeden abfärbt, der sich in diesem Land aufhält!

Der Morbier aus dem Jura, den ich in diese Tarte gewürfelt habe, zählt zu meinen Lieblingen. Wobei sich im Käse-Wunderland auf einen Käse festzulegen, an Idiotie grenzt. Aber solltet ihr diesen Käse nicht kennen, und ihr stolpert mal darüber, dann habt ihr hiermit eine warme, ausdrückliche Empfehlung. Selbst in dieser Quiche - die ja doch ein Zusammenspiel mehrerer ist - kommt sein eigenwilliger Charakter erkennbar durch.


Zutaten - 2-3P Tarte von 26cm Durchmesser:

120g Dinkel-Vollkorn
60g Dinkel 1050
90g Butter, kalt, in Flöckchen
50g Quark
Salz
Chiliflocken
etwas kaltes Wasser

350g Spitzkohl, in feine Streifen
100g Rosenkohl, geviertelt oder -achtelt
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1 TL Paprika-Pulver
1 TL getrockneter Thymian
1/2 TL Kreuzkümmel
1 EL Tomatenmark
2-3 EL Gemüsebrühe
1 Pr Zucker
Salz, Pfeffer 
Sonnenblumenöl

90g Crème fraîche
30ml Sahne
1 Ei
Salz, Pfeffer
1 EL Mehl

100g Käse (m: Morbier)

Zubereitung:

Aus den Zutaten für den Boden zügig einen homogenen Teig kneten und ca. 2 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen. Auf einer bemehlten Arbeitsfläche auswellen auf ca. 36cm Durchmesser - für den umgeschlagenen Rand etwa einen Ring von 5cm Breite bemessen. (m: ich lege mir dafür stets meinen Boden fest, damit ich weiß, wie weit meine Fülle reichen darf). Den ausgewellten Boden auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backbleck setzen.


Die Zwiebel fein würfeln. In Öl glasig dünsten. Kurz vor Ende den Knoblauch, den Thymian, den Kreuzkümmel und das Paprikapulver mitrösten. Das Tomatenmark untermischen und ebenfalls kurz mitwenden, Gemüsebrühe und den Kohl zufügen und weitere 5min braten. Gemsüsebrühe anschütten, Deckel auflegen und ca. 10min weich garen. Mit Salz und Pfeffer würzen.

Den Ofen auf 190° Umluft vorheizen.

Das Ei mit Crème und Sahne verquirlen, ebenso das Mehl zufügen. Salzen, pfeffern und den etwas abgekühlten Kohl sowie den in Würfel geschnittenen Käse miteinander vermegen. Die Fülle auf den Boden der Tarte setzen, die Ränder umklappen und die Tarte in den heißen Ofen schieben. Insgesamt 45min backen - nach 20min auf 180° runterdrehen. Vor dem Anschneiden 5min ruhen lassen.

nein, kein Morbier im Bild - der Morbier ist deutlich kleiner...

Montag, 19. Februar 2018

eingebürgert: Bordelaise à la bière


Unterwegs wird automatisch immer wieder die Frage nach der Herkunft gestellt: *Where are you from?* Und diese Reise nehme ich mir ausführlicher Zeit, nenne nicht nur das *Passwort*, sondern antworte: *I am German, but I live in France. So.... Jürup.* Dabei spreche ich Europa absichtlich so aus, dass es klingt wie ein türkischer Badeort, denke innerlich vergnügt daran, dass ich von denen ja schon Frisur hatte (Insider), mache während der kleinen Punktpunkptpunktkunstpause eine Pu-der-Bär-Tanzbewegung und zucke gleichmütig mit den Schultern. Denn so GANZ fühle ich mich eigentlich auch nicht als Europäerin.

Ich bitte euch: bin ich Kleingeist? Wie oft passt der Zwergenstaat Europa allein in Afrika? Schaut euch den Globus an - 12x bestimmt. Nein, da denke ich größer, BIGGER. Es ist dringend angebracht, nicht ständig, alles und jeden präziser spezifizieren zu wollen, sondern zwischendurch wieder vereinfachender, verallgemeinernder, verbindlicher, zusammenhängender zu denken. Unübersehbar, unwiderruflich, unumkehrbar mischt sich gerade die Erdenbevölkerung in allen Ländern kunterbunt durcheinander in allen nur vorstellbaren Konstellationen. Übrigens inklusive der Natur. Ich bin Weltenbürgerin.

Mich da aufs Deutschtum festzulegen. Echt nicht. Überhaupt: was ein Wasserkopf an Gnom muß man sein, um etwa an solche Mären wie Reinrassigkeit zu glauben? Dafür darf man wohl nie Ahnenforschung betrieben haben. Zumindest nicht sorgfältig. Oder hat nicht alles rausgefunden - all die Kriege, all die Völkerwanderungen, all die Kuckuckskinder... tsss, reinrassige Utopie. Wie wohl einst hanegebücht wurde für den Ariernachweis mit Hilfe der Kirche? Man will es gar nicht wissen. Und mal ehrlich: wie langweilig wäre es, tatsächlich nur deutsche Vorfahren zu haben. Da erinnere ich mich an meine *Astrologie-Enttäuchug*: Was, es gibt noch einen Aszendenten? Ja, toll! Was bin ich denn noch? Welcher Aspekt kommt hinzu? Nochmal Schütze? Doppelschütze? Ohhh, hab' ich gemacht, und ein langes Gesicht. 

Reinrassigkeit. Dazu fällt mir Inzest ein samt den Bildern der spanischen Königsfamilie von Velásquez und die überzüchteten Rassehunde mit Hüftschäden und Atemnot. Da will man doch nicht freiwillig dazugehören. Nein, machen wir uns nix vor, wir sind alle - direkt sichtbar oder nicht - Mulatten, Kanacker, Mischlinge, Promenadenmischlinge.... Und das ist gut so. Deshalb sind wir Menschen so robust.

*Nationality, that's only decoration for us* schiebe ich so großspurig wie ichs nur irgendwie hinbekomme hinterher. Mit dem Resultat mich wirklich häufig an wunderbaren Reaktionen erfreuen zu dürfen. Hoffnungfrohen, menschlichen, brüderlichen Reaktionen. Ja, ich gehöre der Rasse Mensch an, ich bin kein Fuchs, ich bin kein Has', bin keine Pflanze, kein Tier und kein Alien. Ich bin eine von acht Milliarden Menschen. Eine von sehr vielen. Und eigentlich, so streng genommen, als Bewohnerin dieses Planeten genannt Erde, gehöre ich auch mit zu den Pflanzen und Tieren. Und bei den Außerirdischen müßte ich nachfragen, ob vielleicht von demselben Sonnensystem. Oder ob man sich einfach auf das gleiche Universum einigen könnte. 

Eingebürgert Richtung Deutschland - klischeemäßig - dank dem zugefügten Bier habe ich für heute das Bordelaise. Ein Brot, von dem man gar nicht genügend Varianten backen kann... in meiner Backstube, nach meinem Geschmack.


Zutaten 2 750g Laiber:

Sauerteig - Reifezeit etwa 12-14 Stunden
130g T110
160g Wasser
12g Weizen-ASG

Quellstück - angesetzt mit Sauerteig, dann abgedeckt in Kühlschrank
35g Chia
100ml Wasser

Hauptteig:
ST
250g Emmer-Vollkorn
50g Rogen-Vollkorn
450g Ruchmehl
16g Salz
1 Flasche Bier (330ml)
100-120ml Wasser 
Quellstück

Zubereitung:

Mehle ohne Salz und Chia und mit 100ml Wasser vermengen und 30min Teigruhe. Nun ca-8-10min kneten, bis sich der Teig vom Schüsselrand löst, dabei Salz zufügen, Chia und schlückchenweise - je nach Teigbeschaffenheit noch etwas Wasser.

Teigruhe 2 Stunden, dabei 2 Mal nach je 40 Minuten falten. Den Teig auf eine gut bemehlte Fläche gehen, teilen, zu zwei länglichen Teiglinge formen und in Gärkörbchen verfrachten.

Dann Gare nach Wunsch, bzw. nach Temperatur: 12-15 Std. bei 5-7° im Kühlschrank oder ca. 2-2,5 Std. bei 20-25° - m: 4 Stunden im Kühlschrank und anschließend eine gute Stunde bei Zimmertemperatur

Bei 240° mit viel Feuchtigkeit einschießen und fallend auf 180° 50 Minuten backen. Dann auf Heißluft umschalten und 5 weiter Minuten bei leicht geöffneter Backofentür knusprig backen.


Samstag, 17. Februar 2018

Happy New Dog: Kastanien-Pfannkuchen mit Ras-el-Hanout-Wirsing


In der Knospenzeit habe ich mir viele T-Shirts selbst gestaltet. Eines schwebte mir lange Zeit im Kopf - eigentlich bis heute - kam aber nie zur Ausführung: *Gegen Geduld*. Meine größte Untugend. Ich HASSE es, wenn sich die Dinge langsam entwickeln. Warten - der Graus in Wort und Tat. Ich mache gerne alles schnell. Deswegen habe ich auch gerne in der Disse hinter der Bar gearbeitet. Da muß es kleppern. Definitiv lieber wirbeln als die Zeit tot schlagen. Schach? Nicht mein Spiel - da schlafe ich zwischen den Zügen ja ein. Überhaupt: lange auf einem Stuhl sitzen... genau mit deswegen schmiß ich einst die Schneiderlehre.

Hinzu kommt mein Dickschädel. Es wundert mich selbst oft, wie wenig Hüte mir passen wollen. Nicht, dass ich Hüte tragen würde, aber wenn, dann wären mir die meisten zu klein. So weiß ich doch oft, wie ich was gerne hätte und wenn mir das Leben da einen Strich durchzieht, dann kann ich das persönlich nehmen. Man durchkreuzt also besser nicht meine Pläne. Nur überhört die Welt nur zu gerne meine Marsch-Route. Bref, um mich zu prüfen, reicht es, wenn sich die Dinge um mich (scheinbar, eingebildet oder tatächlich) zäh entwickeln. Hach, prompt bin ich aus dem Tritt, nirgendwo mehr Fluß und Flow und ich merke, wie sich meine Unterlippe schmollend verspannt. Schlimm. Und ich bin mir so gar nicht sicher, ob sich derlei Baustellen mit dem Älterwerden bessern. Aber wie haut eine Freundin raus, wenn Plattitüden dringend gefragt sind: Life is a rollercoaster. So siehts aus.

Was Balsam auf die geschundene Seele, wenn die angezogene Handbremse gelöst wird und sich dazwischen ein Moment schiebt, in dem so gar kein Sandkörnchen im Getriebe den Ablauf stört. Das zählt dann unbestritten in die Rubrik #was schön war.

Seit Donnertag Abend wird das neue Jahr eingeläutet - drei Tage lang. Nach chinesischem Kalender beginnt nun das Jahr des Erd-Hundes. Um uns wird geknallt, geopfert, gebetet und gefestelt. Und ausgerechnet ich, die Königin aller Sylvester-Muffel feierte einen Neujahrs-Moment, der mir für die Ewigkeit bleibt.

Ein Moment, der vom Himmel fiel: unerwartet, plötzlich, spontan. Dazu eine Nacht, die klarer, stiller, wolkenloser, wohl temperierter nicht hätte sein können. Bei gänzlicher Windstille funkelten die Sterne wie poliert am Firmament. Und da standen wir zu viert, zusammengewürfelt und doch irgendwie zusammengerufen, ohne viel Worte zu verlieren, aber dabei doch so beredt wie man sprachlos nur sein kann, ganz eingespielt, jeder fand direkt seinen Platz, jeder kleine Handgriff saß. Alles folgte wie von alleine einer natürlichen Selbstverständlichkeit (seufzz, wenn doch Leben immer... aber lassen wir das).

So standen wir also - dank Bent und Marianne - jeder an seiner Ecke des hauchzarten Lampions aus Pergamentpapier, hielten sanft unseren Zipfel, während Bent die Flamme anzündete, öffneten alle im gleichen Moment unsere Finger - als die Wärme den Lampion aufblusterte wie eine sich entfaltete Blüte - und schauten zu, wie unser Licht schwebend höher und höher und höher stieg, in leicht geschwungener Linie, so hoch bis es sich unter seinesgleichen einfügte, kaum unterscheidbar unter dem Sterneglizzern nur rötlicher in der Farbe, so weit flog unser Licht, bis jeder einzelne unserer Wünsche mit Gewißheit oben angekommen war. Ein kleiner Augenblick, der Gänsehaut erzeugte. Ein Moment schlicht, makellos, nicht wiederholbar.

Nahezu perfekt - immerhin - sind auch diese Kastanien-Pfannkuchen mit dem orientalischen Wirsing. Ich mochte die Kombination der Aromen sehr. Und  für alle Zuckermäuler lege ich die Kastanienpfannkuchen auch in einer süßen Variante ans Herz - mit Schokocrème und Bananen zum Beispiel dürften euch eure Kinder diese Crêpes nur so aus der Hand reißen.


Zutaten 2-4P*:

für ca. 6 Stück
120g Kastanienmehl, gesiebt
2 Eier
150ml Mineralwasser (evt. plus)
50ml Milch
Salz
Öl zum Braten

1 kleiner Wirsing
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 guten Schuß Noilly Prat
100ml Kokosmilch
150ml Gemüsebrühe 
1/2 TL Kreuzkümmel
1 1/2 TL Ras el Hanout
Salz, Pfeffer
30g Raddicchio
(optional: getrocknete Feigen/ Aprikosen/ Rosinen)
Rapsöl

Zubereitung:

Den Wirsing halbieren, entstrunken und in mittel-feine Würfel schneiden. Den Ofen auf 180° (Umluft) vorheizen. Den Wirsing in eine Schüssel mit 1-2 EL Öl und dem Kreuzkümmel vermengen. Etwa 20min im Ofen rösten bis sich die ersten gebräunten Stellen zeigen, dabei zwei Mal wenden.

Die Zutaten für die Kastanien-Pfannkuchen zu einem homogenen Teig verquirlen und ca. 15min quellen lassen - evtuell dann noch einen Schluck Mineralwasser zufügen.

Die Zwiebel und den Knoblauch fein würfeln. Beides in wenig Öl glasig dünsten. Gen Ende das Ras el Hanout kurz mitrösten. Mit Noilly ablöschen. Kokosmilch, Gemüsebrühe gemeinam mit dem Wirsing in den Topf untermischen, Deckel auflegen und bei kleiner Flamme etwa weitere 10min köcheln lassen, bis der Wirsing gut gar ist. (Wer mag gibt hier klein gewürfeltes Trockenobst dazu).

Parallel nacheinander die Kastanien-Pfannkuchen backen (m: in Pfanne von 20cm Durchmesser) und warm stellen. Vorsicht: die Kastanien-Pfannkuchen sind etwas brüchiger als die üblichen Pfannkuchen. Daher nicht ZU dünn ausbacken und die erste Seite vor dem Drehen gut knusprig backen.

Zusammen mit dem Wirsing servieren.

*Anmerkung m: ganz sicher, für viele Personen die Rezeptmenge reicht, bin ich mir hier nicht. Uns haben die Kastanienpfannkuchen gut gesättigt - möglich, dass andere gut und gerne jeweils zwei davon verputzen.


Montag, 12. Februar 2018

12 von 12 - Februar 2018

1. fast ein petit crème nur süßer durch die gezuckerte Kondensmilch
2. nicht zu vergessen der Obstsalat, der vorausging mit diesen kleinen, zimtig-zitronigen Bananen
3. zusammen mit den Mangos und der Papaya vom Markt...
4. von wo ich auch die Mangosteen erbeutete, die mich besonders erfreuen
5. wir überwintern mit den Störchen - das könnte ich wohl erklärend vorausschicken
6. durchaus in Strandnähe - wo ich meiner Lieblingssinnlosbeschäftigung nachgehe: Muscheln suchen
7. und durchatmen... wie man das halt so macht mit Meerluft vor der Nase
8. zwischendurch wird geknabbert: Wiederentdeckung des Puffreis in neuer Geschmacksrichtung
9. und zum Lesen findet sich wohl auch ein Minütchen - ein guter Büchertausch
10. kleine Pflichten wie Laundry rutschen nebenher - lieber halte ich den nächsten Snack ins Bild
11. Passionsfruchtsaft - Schmusie: die geschretterten Kerne knirschen wie Sand zwischen den Zähnen...voll egal
12. um vielmehr als Essen habe ich mir scheinbar keine Gedanken gemacht - typisch Foodblog, oder?!

Mehr Eindrücke zum 12. Februar werden wie stets zum *12 von 12*-Event bei Madame Kännchen aka Caro gesammelt!
 

Freitag, 9. Februar 2018

Aus dem Hut - Curry mit geröstetem Gemüse, Zitronengras und Kurkumawurzel


An der Werkstatttür zu den Bühnenplastikern der Berliner Oper hing ein kleines Comic bestehend aus zwei Bildern: auf dem ersten Bild ist ein großer, unbehauener Block zu sehen samt einem Bildhauer im Overall, der davor steht. Auf dem zweiten Bild hat der Bildhauer den Block bereits seit einer Weile mit seinen Werkzeugen bearbeitet und das Tier mit seinem unverwechselbaren langen Rüssel, den großen Ohren und den mächtigen Plattfüßen ist deutlich zu erkennen. Neben dem Bildhauer steht nun ein kleines Mädchen, dass ihn verdutzt anschaut und fragt: *Und woher wußtest du, dass da ein Elefant drin versteckt war?*

Tja, und an manchen Tagen schaue ich auf die gleiche Weise  wie das Mädchen den Bildhauer unser Gemüse an und frage interessiert nach: *Und was steckt in euch? Irgendwelche Ideen? Tendenzen?* Die hochgeschätzte und ebenso vermisste Frau Hedonistin postulierte gerne, dass wenn sie ratlose Kreise in der Küche dreht, sie nur damit begonnen müsse, Zwiebeln anzuschwitzen. Mit dem Geruch in der Nase entwicklen sich die Dinge am Herd zum Selbstläufer.

Gleiches gilt, wenn man eine Fuhre kleingeschnittenen Gemüses einfach in den Ofen schiebt. Irgendetwas Essbares kommt bestimmt bei raus. Das hat sich hier schon vielfach bestätigt. Mit Pasta geht derlei Gemüse prinzipiell oder halt ganz schlicht, oder als Ottolenghi Klassiker (der gab der Ofenrösterei schließlich den Startschuß) mit Blumenkohl - in zig Varianten - mit Fenchel... Und mit Zucchini oder Tomate fange ich in der Aufzählung erst gar nicht an... da würde ich ja gar nicht mehr fertig. Ein paar wahllos herausgegriffene Beispiele - nur um euch zu zeigen, wie man mit diesem Trick auch ohne jeden Musenkuss ein Kanninchen aus dem Zylinder zaubert. Und bei Suppe samt Ofengemüse sind wir gar bei zwei Karnickeln!


Zutaten 4P:

1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 Paprika, rot
1 Paprika, gelb
1/4 Blumenkohl
100g 
Champignons*
2 Karotten
1 Süßkartoffel
1 Stange Zitronengras
2 Kefirlimettenblätter
(wer hat)
1 Stück Kurkumawurzel (ca. 5cm)
400ml Kokosmilch
150ml Gemüsebrühe
2-3 EL Öl (m: Raps)
Salz, Pfeffer
etwas frischer Koriander
Curry

Zubereitung:

Ofen auf 200° vorheizen.

Die Zwiebel schälen und mittelfein würfeln. Den Knoblauch fein hacken. Die beiden Paprika entkernen, mit dem Sparschäler schälen und in Streifen schneiden. Die Blumenkohlröschen in kleinere Stücke teilen. Die Pilze säubern und vierteln. Alles in einer Schüssel mit dem Öl und einem kleinen Teelöffel Salz vermengen. In eine ofenfeste Form oder das Backblech setzen und im heißen Ofen ca 25min garen - zwischendurch 2-3 Mal das Gemüse wenden.

Die Süßkartoffel in 1cm Würfel schneiden. Die Karotten putzen, der Länge nach vierteln und in kleine Stücke schneiden (so paßt das dann zusammen mit der Garzeit). Das Zitronengras mit dem Messerrücken klopfen (so öffnen sich die Fasern) und halbieren. Die Kurkuma fein reiben (Vorsicht: färbt Finger wie Reibe). Vom Koriander Grün und Stiele von einander trennen. In einer großen Pfanne die restlichen Zutaten: Gemüsebrühe, Kokosmilch, Curry, Zitronengras, Kefirlimettenblätter, Korianderstiele. Kurkuma, Karotten und Süßkartoffeln erhitzen und etwa 10min köcheln. Das ofengeröstete Gemüse untermengen und weitere 2min garen. Nochmals abschmecken, Zitronengras, Kefirlimettenblätter und Korianderstiele entfernen. Zum servieren mit dem klein gehackten Koriander bestreuen!

*Anmerkung m: wer mag ersetzt die Champignons hälftig durch Sithake-Pilze und läßt diese in der Brühe mitkochen... 

Sonntag, 4. Februar 2018

Methusalem-Minestrone


Die über Hundert Jahre alte Sizilianerin Tonia Nola wurde nach dem Geheimnis ihres hohen Alters gefragt und sie antwortete: *Heiter und ohne Stress arbeiten, nicht neidisch sein und viel Minestrone essen*. Tja, so schlicht könnte sich das Pamphlet einer  Sekte lesen, das Manifest einer Gesundheitsbewegung oder das Transparent eines Weltverbesserers. Aber wirklich um den Finger wickelt es nur aus dem Mund einer Hundertjährigen, oder?

100 Jahre, *Sto Lat* besingen sich die Polen oder prosten sich zu. Aber will man das? Will ich hundert Jahre alt werden? Das wären ja noch ... *rechen*... EWIG!

Tendenziell finde ich die Haltung, etwas auszuhalten, durchzustehen ja nicht die schlechteste. Aber was weiß ich denn? Was weiß ich vom Älter werden, von Krankheit, Schmerzen, Leid? Neenee, da ziehe ich das Genick ein und mache den Mund zu einem Strich - dazu sage ich lieber überhaupt nichts. Vielleicht will ich es irgendwann wie Maud halten und finde, das achzig Lenze, achzig Lenze genug sind... was weiß denn ich!

Örgs. Prompt fällt mir das elendige Queens Lied *Who wants to live forever* ein. Und ich h-a-s-s-e Queen. Jeder hat doch ein paar Bands, von denen er sämtliche Songs unerträglich beschissen findet. Bei mir spielt eben Queen in dem Club der Degradierten. Oder die Scorpions. Oder... aber lassen wir das. Wobei ich an die Freddy Mercury Bar in der sagenhaft faszinierenden Stadt Sansibars (dem Geburtsort eben jenes) die besten Erinnerungen habe: in dem Viertel Jahr, in dem wir uns dort aufhielten, glich Stone Town einem Backofen und die Kleider klebten bereits nach wenigen Schritten schweißnass am Körper. Aber in dieser jener Bar direkt am Meer wehte selbst in der Mittagsglut ein frisches Windchen. Ich bin wieder abgekommen...

Die Wissenschaft hält es ja durchaus für realistisch, dass schon bald jeder zweite von uns (!) über 100 Jahre alt werden könnte. Durchaus eine Rahmenbedingung, die Denkanstoß bietet. Allein in den letzten hundert Jahren hat sich unsere Lebenserwartung gar verdoppelt. Und selbst das Erreichen von 150 Jahren scheint nicht mehr ausgeschlossen. Aber - und jetzt kommt das *Aber* (... als hätten wir es nicht gewußt): die durchschnittliche Lebenserwartung (also ebenso die zukünftige) ist stark gekoppelt an Bildung und Einkommen. Wie heißt doch ein alter, küchenaffiner Spruch, der wohl über Jahrtausende unverändert bleiben wird: Fett schwimmt oben.

Eine kleine Seitentür der Möglichkeiten bleibt bestehen - womit wir wieder bei Tonia Nola wären - es sei denn, man vermeidet Neid und Stress, versucht heiter zu bleiben und schüsselweise Minestrone zu essen. Und ich wäre doch kein Serviceblog, wenn ich mich nicht um eine fröhliche Gemüsesuppe für euch gekümmert hätte, die in kalten Zeiten wie diesen Herz und Bauch erwärmt. Ich bitte euch... Soll einer sagen...


Zutaten - 2P:

1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 Stange Lauch
1 Stange Sellerie
1 kleine Kohlrabi
3 Karotten
2 Kartoffeln, festkochend
1 handvoll fêves (oder Erbsen)
1 EL Tomatenmark
1 TL dunkle Miso-Paste
100ml Veggie-Jus
500ml Gemüsebrühe (eventuell plus)
2 Lorbeerblätter
1 Msp Pimenton dela vera
Harissa
Salz, Pfeffer
Rapsöl
100g Crozets 
Olivenöl
frische Kräuter zum Beträuen
(m: etwas Basilikum-Pesto) 

Zubereitung:

Die Zwiebel fein würfeln, ebenso den Knoblauch, das Weiße und Hellgrüne des Lauchs in Ringe schneiden, den Sellerie fein hacken. In wenig Olivenöl anschwitzen. Das Tomatenmark unterrühren und ebenfalls kurz mitrösten. Die Gemüsebrühe anschütten, den Veggie-Fond sowie die Lorbeer-Blätter und Miso zugeben und zum Kochen bringen. Die Crozets zufügen, Deckel auflegen, 5min köcheln lassen, dann die in kleine Würfel geschnittenen Kartoffeln und die in Scheiben geschnittenen Karotten zufügen, Deckel auflegen und ca. 10min köcheln lassen.

Nun den klein gewürfelten Kohlrabi zufügen. Weitere gute 5min köcheln. Den Eintopf mit Salz, Pfeffer, Harissa und Pimenton abschmecken. Kurz vor dem Servieren die geforenen Saubohnen untermengen und direkt in der Suppe warm ziehen lassen. Gegebenenfalls - wers suppiger mag - noch etwas Brühe nachschütten. Auf tiefe Teller verteilen, mit frischen Kräutern oder Pesto garnieren und duftend auf den Tisch stellen.

*Anmerkung m: die Crozets SIND in dem Eintopf - auch wenn sie sich unsichtbar abgesetzt haben... das müßt ihr mir einfach glauben. Eine schöne Variante finde ich, die Crozets nicht in der Suppe gar ziehen zu lassen, sondern getrennt in Brühe gar köcheln zu lassen und sie dann als Einlage vorher knusprig zu braten - s. Rezept Crozets

Die Jamie Minestrone bleibt eine gute Idee, vorallem das Gemüse nacheinader anzubraten bringt zusätzliches Aroma - falls ihrs weniger deftig wie heute wollt...