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Sonntag, 3. September 2017

Brüche: Zwetchgenkuchen mit Hefeteig vom Blech

Menschlichen Lebensläufen und Brüche gehören untrennbar zueinander. Manche bereut man und manche nicht. Manche hat man selbst zu verantworten, durch andere wird man unfreiwillig gepresst. 

Eine Vielzahl von Brüchen prägt meine Biographie. Nach knapp zwei Jahren Schneiderlehre schmiß ich hin - aus voller Überzeugung. Langer Faden - faules Mädchen. Die Sitzerei den ganzen Tag, das Gefissel en miniature, die unsinnigen Änderungen an Klamotten anderer, das war ganz und gar nicht mein Ding. Den Berufswunsch *Kostümbildnerin* verbrannte ich gleich mit. Schön geht anders, denn zu gut erinnere ich mich, wie mich die Ratlosigkeit im selben Moment, was danach kommen sollte, schier panisch machte. Um nur eine kleine Anekdote herauszugreifen. 

Darauf komme ich, weil ich mir gerade überlegte, welche Bücher mir einfallen, die ich irgendwann abgebrochen habe. Tendenziell beiße ich mich nämlich eher durch. Auch beim Lesen. SO viele Bücher kommen deshalb gar nicht zusammen. Gerade habe ich von Emil Zola *Germinal* aufgegeben. Wie grauenhaft die Plagerei der Kohlearbeiter unter Tage geschildert wird, das Elend ihres kärglichen Daseins, die Schufterei, die dennoch nicht annähernd eine menschenwürdige Existenz ermöglicht, konnte ich nach hundert Seiten nicht länger ertragen; das machte mich fertig. Toll geschrieben, aber zu harter Tobak!

Hemmingways *Inseln im Storm* - getauscht auf den Philippinen - las ich ebenfalls nie zu ende. Aus jeder Zeile atmet der Alkohol, ja die Sprache selbst ist bereits hochprozentiges Destillat. Ich fands unzumutbar flach, banal, versoffen. Genauso wie *Stiller* von  Max Frisch. Auch wenn Frisch an der Uni Teil meiner mündlichen Abschlußprüfung war, widerte mich die Hauptfigur in *Stiller* regelrecht an. Ich konnte mich nicht aufraffen, dieser Geschichte bis zur letzten Seite zu folgen. Oder *Bonjour Tristesse* von Françoise Sagan zählt ebenfalls zu den bekannten Beispielen. Du meine Güte, wie jung und abgefuckt kann man sein. Ich sah keinerlei Gründe, ein Buch auszulesen, das mich so missmutig stimmt.

Wie gut, dass die Geschmäcker unterschiedlich sind. Keiner muß alles mögen. Und ein Hoch auf die Vielfalt!

Spannend wird es, wenn sich ein Urteil wieder dreht. Äh, nein, Nähen habe ich nicht wieder angefangen. Und auch nach den letzten drei aufgezählten Büchern werde ich wohl nicht mehr greifen. Aber mein heutiger Kuchen, der ist exakt eine solche Umdrehung. Für mich der volldoofste Kuchen der Welt seit Kindheit eben dieser: lieblose Obstverwertung auf großem Blech gebacken mit staubtrockenem, geschmacksneutralem Hefeboden. Doch wie lehrt mich die Erfahrung in der Küche: meist liegt die Schuld nicht bei den Zutaten sondern beim Rezept. Et voilà: mit Stefanies Butterhefeteig verfeinert durch fermentiertem Vorteig drehte sich meine Haltung zu dem Kuchen, zu dem ich eine immense Abneigung hegte und bei dem mich bereits der Rezeptetitel abschreckte, ins glatte Gegenteil: das hier, meine Damen und Herren, ist ein Zwetschgenkuchen zum glücklich Schlemmen! Und ja, mit Hefeteigboden und vom Blech!!!

Zutaten für ein Blech Streuselkuchen:

Pâte Fermentée:
175g Dinkel 630
125g Wasser
2g Hefe
3g Salz


Teig:
Pâte Fermentée 
225g Weizen (m: T45)
100g Dinkel 630
175g Milch
3g Salz
10g Hefe
50g Zucker
100g Butter
 
1 gutes Kilo Zwetschgen
(oder Pflaumen)
150g Crème fraîche
2 EL brauner Zucker
(m: mit Vanille versetzt)

Streusel:
200g Mehl Type 550 
120g Mehl  Type 450 (m: t45)
40g Dinkelflocken
40g gehobelte Mandelblättchen
250g Butter
200g brauner Zucker
(1 TL frisch geriebener Zimt
2 Zacken Sternanis
Kerne von 2 Kardamomkapseln
1/2 TL gemahlener Ingwer
1gr MSP gemahlene Nelke)

Zubereitung:

Die Zutaten für den Pâte fermente miteinander verkneten und 1 Std. bei Raumtemperatur gehen lassen. Danach für mindestens 12 Stunden im Kühlschrank fermentieren (m: dieses Mal über 24h).

Alle Zutaten bis auf die Butter für 5 min auf langsamer Stufe in der Küchenmaschine kneten.

Dann weiter 7 min auf mittlere Geschwindigkeit kneten. Zuletzt die Butter hinzufügen und weiterkneten, bis sie komplett in den Teig eingearbeitet ist.
Den Teig 1 Stunde gehen lassen.

Währenddessen die Gewürzmischung herstellen und die Zutaten für die Streuel zu einem bröseligen Teig verkneten. Wenn der Teig sich nicht zu dickeren Bröseln verkneten lässt, ein wenig Wasser hinzufügen (m: ist nicht nötig, wenn die Butter etwas weicher ist). Streusel kalt stellen.

Den Teig auf Backblechgröße ausrollen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Zudecken und eine Stunde gehen lassen. 

In der Zwischenzeit den Ofen auf 180°C vorheizen und die Zwetschgen entsteinen und je nach Größe halbieren oder vierteln. 

Den gegangenen Boden mit Crème fraîche bestreichen, mit Zwetschgen belegen und mit Streuseln bestreuen. 
Den Kuchen bei 180°C für ca. 40-45 min mit Dampf backen.


Kommentare :

  1. Guten Morgen, das klingt doch nicht schlecht und mach Lust auf eine schöne Kaffeetafel. Ich werde heute einen "Quetschekuche", wie es im hessischen heißt, vorbereiten. Allerdings ohne Streußel (Hüftgold) und auf 400gr. Mehl ca. 3 gr. Hefe. Den Teig und Zutaten zusammenrühren und auf dem Blech ausrollen und mit den Zwetschgen belegen. Alles zusammen über Nacht in den Kühlschrank schieben und dann am nächsten Tag irgendwann backen. Dann hat man(n) für eventuelle Gäste etwas mehr Zeit.
    Viele Grüße
    Rainer

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    1. Also Kuchen bei dem das Hüftgold fehlt, ist irgendwie ein Butterbrot ohne Butter - aber, Rainer, jeder wie er mag und wie er lustig ist!

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  2. Ist dir aber mal richtig gut gelungen, wer bis jetzt noch keinen Pflaumenkuchen möchte wird ihn spätestens jetzt mögen.
    Ich habe als Kind auch Pflaumenkuchen gehasst, möchte nie matschiges Obst auf Kuchen, aber was ich möchte war,war der mit Saft durchtränkte Hefeboden dann war er auch nicht staubtrocken.
    Pflaumen dürfte dann Papa essen.
    Viele Grüße
    Jesse Gabriel

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    1. War wohl ein typischer Kuchen in ganz D, dieser Art von Zwetschgenkuchen, kann das sein?
      Ehrlich, der ist so lecker - ich freue mich, dass ich noch 2 Stücke im Tiefkühler habe... für regnerische Zeiten - die hoffentlich auch bei uns mal wieder stattfinden... viele liebe Grüße zurück, Jesse

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    2. Ja sehr typischer Kuchen zu meinem Leidwesen, gab es immer bei Oma, ( fast auch jeder Kaffeetafel wenn man eingeladen würde zumindest in der Saison) heute weiß ich auch warum, hat sie mir verraten, schön preiswert und immer mit billig Margarine, schüttel.
      Omas Kuchen waren schrecklich, nicht verraten.
      Bei uns zu Hause gab es ihn zum glück eher selten.
      Viele Grüße
      Jesse Gabriel

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  3. ach, und der name "prune quetsch" an der marktkiste...*schmunzel*

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