Dienstag, 22. März 2016

Madagaskar IV: Märkte & Essen


Wir stellten uns das Streetfood ähnlich vor wie auf Sansibar (ein tiefer Seufzer auf den Forodhani!!!) - liegt ja schließlich quasi ums Eck. Oder eben typisch kreolisch (wovon Britta etwa auch auf Mauritius von schwärmte). Selbst wenn die Bilder mal wieder etwas anderes erzählen, gehört das Angebot zu dem schlechtesten, welches wir unterwegs seither auf der Straße angeboten bekommen haben. Vorallem weil sich Obst und Gemüse dabei so rar machten. Satt essen soll man sich vorallem an Fettgebackenem, Samosas-ähnlichen fleischgefüllten Teigtaschen etwa, Zuckerzeugs oder auf Platz 1 das *Nationalgericht*: *Soupe chinoise* = chinesischer Brühwürfel samt chinesischen Eiernudeln. Und da Madagaskar schließlich nicht nur mit den typischen Früchten einer Tropeninsel aufwarten kann sondern obendrein Gewürz-Insel ist, sollte man ja durchaus etwas erwarten dürfen.

Überhaupt haben wir zum ersten Mal unterwegs viele Menschen beobachtet, für die es beim Essen nur ums satt werden ging - samt schnellem Runterschlingen. Hauptsache, was im Bauch. In der Hauptstadt eröffneten sich da wirklich seltsame Bilder: aus großen Eimern wurde in Näpfe geschöpft und im Stehen die faden Nudeln runtergeschlungen.

Allerdings habe ich die besten Bananen EVER gegessen: winzig klein, süß mit Zitronennote. Hammer! Oder gläserweise frischgepressten/ gesiebten Passionsfruchtsaft. Wahlweise Corossol-Saft. Oder frische Kokosnuss. Gerne zugegriffen an Straßenständen habe ich bei Godrogodro (Kokosflan). Und auf Nosy Boraha, der Insel, auf der wir die längste Zeit verbrachten, gab es Fisch-Steaks mit Stricknadel-großen Kräten. Preislich schwärmten die Fränzis von La Réunion wie billig doch noch Meeresfrüchte wären im Vergleich zu ihrer Heimat - für uns Touris kostete eine Scheibe gebratener Fisch ca. 3 Euro. 

Während die Einheimschen in ihrer Armut sich vorallem an Gebäcken aus weißem Mehl, weißem Reis, Fett und Zucker sättigen müssen. Und selbst  die winzigsten Muscheln und Fische verwerten sie - froh über alles eßbare, bis hin zum Bushmeat. Eigentlich hatte ich vor, auch selbst mal zu kochen, aber ob der stets 10fach erhöhten Preise für Vasahas (Weiße), machte das keinen Sinn. Und für viele Weiße wären die afrikanischen Märkte eh eine Mutprobe gewesen: der Dreck, Menschen, die sich gegenseitig lausen, die Enge, die Bettler, die Krüppel und die Diebe. Und manchmal jemand darunter, der uns ein *Attention* zuflüsterte, weil unser Geldbeutel bereits im Visier von einschlägigen Jungs war.

Auf dem Land schleppen die Menschen in Kanistern Wasser nach Hause, überall muß Brennholz aus den Wäldern herbei geschaffen werden und irgendwo brennt immer ein Feld: Brandrodung. Alles zusammen gefährdet die Natur dort sehr. Für die Madagassen ist es alternativlos: hungrig oder satt.

Kommentare:

  1. Was du hier über das Essen auf Madagaskar schreibst, erinnert mich an Kuba, wo wir vor einigen Jahren gewesen sind. Dort hatte ich auch den Eindruck, dass die Leute nicht lang fragen, was es ist oder wie es schmeckt, Hauptsache, man hat keinen Hunger mehr.
    Es ist erschütternd, was du über Madagaskar schreibst! Wie habt ihr es so lange dort aushalten können? Ich glaube, ich wäre in eine Depression verfallen.

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  2. Vielen Dank für Deine Berichte über Madagaskar! Ich habe sie mit einer Mischung aus Faszination, Unglauben und ja, Weltekel (?) gelesen... Wie seid ihr denn auf Madagaskar als Reiseziel gekommen, warum habt ihr dieses Land ausgewählt?

    Liebe Grüße!

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  3. Herrliche Bilder und interessante Einblicke.
    Lasst es euch gut gehen!
    Liebste Grüße

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